Règlement organique

(9 juin 1861)

(Vorläufiges) Organisches Reglement
[Übereinkunft über die Verwaltung des Libanon]

vom 9. Juni 1861
 

 

ersetzt  durch das Organische Reglement vom 6. September 1864
 

  Vertragsparteien: das Türkische Reich, Britisches Reich, Frankreich, Preußen und Österreich
 

Article premier. Le Liban sera administré par un gouverneur chrétien nomme par la Sublime-Porte et relevant d'elle directement. Ce fonctionnaire amovible sera investi de toutes les attributions du pouvoir exécutif, veillera au maintien de l'ordre et de la sécurité publique dans toute l'étendue de la Montagne, percevra les impôts et nommera, sous sa responsabilité, en vertu du pouvoir qu'il recevra de Sa Majesté Impériale le Sultan, les agents administratifs ; il instituera les juges, convoquera et présidera le Medjliss administratif central, et procurera l'exécution de toutes les sentences légalement rendues par les tribunaux, sauf les réserves prévues par l'article 9. Chacun des éléments constitutifs de la population de la Montagne sera représenté auprès du gouverneur par un vékil nommé par les chefs et notables de chaque communauté.

 

Artikel 1: Der Libanon wird von einem christlichen Gouverneur verwaltet, der von der Hohen Pforte ernannt wird und direkt der Hohen Pforte untersteht. Dieser absetzbare Beamte wird mit allen Befugnissen der Exekutivgewalt ausgestattet sein, hat für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im gesamten Gebiete zu sorgen, Steuern einzuziehen und hat die, unter seiner Verantwortung tätigen Verwaltungsbeamten kraft der Zuständigkeit, die er von Seiner Kaiserlichen Majestät dem Sultan erhält, zu ernennen; er wird die Richter einsetzen, den Zentralverwaltungsrat einberufen und ihm vorsitzen und für die Vollstreckung aller von den Gerichten erlassenen Urteile, mit Ausnahme der in Artikel 9 genannten Vorbehalte sorgen. Jedes der konstituierenden Elemente der Bevölkerung des Gebietes wird gegenüber dem Gouverneur durch einen Abgeordneten vertreten, der von den Oberhäuptern und anderen der Honoratioren jeder der Religionsgemeinschaften ernannt werden.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der letzte Satz des Artikels 1 gestrichen und der Bezug auf Artikel 9 wurde durch den Bezug auf Artikel 8 ersetzt.
 

Article 2. Il y aura pour toute la Montagne un Medjliss administratif central composé de douze membres, savoir : deux maronites, deux druses, deux grecs orthodoxes, deux grecs catholiques, deux métualis et deux musulmans, chargé de répartir l'impôt, contrôler la gestion des revenus et des dépenses, donner son avis consultatif sur toutes les questions qui lui seront posées par le gouverneur.

 

Artikel 2: Es wird ein Zentralverwaltungsrat für das gesamte Gebiet geben, der sich aus zwölf Mitgliedern zusammensetzt, nämlich: zwei Maroniten, zwei Drusen, zwei Griechisch-Orthodoxe, zwei Griechisch-Katholische, zwei Metualis (Schiiten) und zwei Muslime (Sunniten); dieser Rat wird für die Verteilung der Steuern, die Kontrolle der Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben und für die Beratung des Gouverneurs in allen Fragen des Gebiets zuständig sein.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 2 komplett neu gefaßt.

 

Article 3. La Montagne sera divisée en six arrondissements administratifs, savoir :
1° Le Koura, y compris la partie inférieure et les autres fractions de territoire avoisinantes dont la population appartient au rite grec orthodoxe, moins la ville de Tripoli située sur la côte et à peu près exclusivement habitée par les musulmans ;
2° La partie septentrionale du Liban, sauf Koura, jusqu'à Nahr-el-Kelb ;
3° Zahlé et son territoire ;
4° Le Metten, y compris le Sahel chrétien et les territoires de Kata et de Solima ;
5° Le territoire situé au sud de la route de Damas à Beyrouth jusqu'à Djezzin ;
6° Le Djezzin et le Zaffoh.

Il y aura dans chacun de ces arrondissements un agent administratif nommé par le gouverneur et choisi dans le rite dominant, soit par le chiffre de la population, soit par l'importance de ses propriétés.

 

Artikel 3: Das Gebiet wird in sechs Verwaltungsbezirke unterteilt, nämlich
1. Koura, einschließlich des unteren Teils und der anderen Teile des umliegenden Gebiets, deren Bevölkerung dem griechisch-orthodoxen Ritus angehört, abzüglich der an der Küste gelegenen Stadt Tripolis, die fast ausschließlich von Muslimen bewohnt ist;
2. der nördliche Teil des Libanon, mit Ausnahme von Koura, bis Nahr-el-Kelb;
3. Zahle und sein Territorium;
4. Metten, einschließlich der christlichen Zone und der Gebiete von Kata und Solima;
5. das Gebiet südlich der Straße von Damaskus nach Beirut bis nach Djezzin;
6. Jezzin und Zaffoh.

In jedem dieser Bezirke gibt es einen vom Gouverneur ernannten Verwaltungsbeamten, der nach dem vorherrschenden Ritus entweder nach der Zahl der Bevölkerung oder nach der Größe deren Güter ausgewählt wird.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde die Ziffer 2 in die Ziffern 2 und 3 aufgeteilt, die bisherigen Ziffern 3 und 4 wurden Ziffern 4 und 5, bei der bisherigen Ziffer 5, die Ziffer 6 wurde, wurden die Worte "nach Beirut" gestrichen und Ziffer 6 wurde Ziffer 7; im Abs. 2 wurde nach dem Wort "Verwaltungsbeamten" der türkische Titel des Beamten "(Kaimakam)" eingefügt.

 

Article 4. Il y aura dans chaque arrondissement un medjlis administratif local composé de trois à six membres représentant les divers éléments de la population et les intérêts de la propriété foncière de l'arrondissement. Ce medjlis local, présidé et convoqué annuellement par le chef de l'arrondissement , devra résoudre en premier ressort toutes les affaires du contentieux administratif, entendre les réclamations des habitants, fournir les renseignements nécessaires à la répartition de l'impôt dans l'arrondissement, et donner son avis constaté sur toutes les questions d'intérêt local.

 

Artikel 4: In jedem Verwaltungsbezirk wird es einen lokalen Verwaltungsrat geben, der aus drei bis sechs Mitgliedern besteht, welche die verschiedenen Elemente der Bevölkerung und die Interessen der Landbesitzer des Bezirks vertreten. Dieser lokale Verwaltungsrat, der jährlich vom Verwaltungsbeamten des Bezirks einberufen wird und der diesem vorsitzt, soll in erster Instanz über alle Verwaltungsangelegenheiten entscheiden, die Beschwerden der Bewohner anhören, die für die Verteilung der Steuern im Distrikt erforderlichen Informationen bereitstellen und zu allen Angelegenheiten von lokalem Interesse Stellung nehmen.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 4 gestrichen.

 

Article 5. Les arrondissements administratifs seront subdivisée en cantons, dont le territoire à peu près réglé sur celui des anciens aklims ne renfermera, autant que possible, que des groupes homogènes de population, et les cantons en communes qui se composeront, chacune, d'au moins 500 habitants. A la tête de chaque canton, il y aura un agent nommé par le gouverneur, sur la proposition du chef de l'arrondissement, et à la tête de chaque commune un cheikh choisi par les habitants et nommé par le gouverneur.

Dans les communes mixtes, chaque élément constitutif de la population aura un cheikh particulier, dont l'autorité ne s'exercera que sur ses coreligionnaires.

 

Artikel 5: Die Verwaltungsbezirke werden in Unterbezirke eingeteilt, deren Gebiet mehr oder weniger dem der früheren Aklims entspricht, und die Unterbezirke sind in Gemeinden eingeteilt, die jeweils mindestens 500 Einwohner haben werden. An der Spitze eines jeden Unterbezirks steht ein Beauftragter, der auf Vorschlag des Verwaltungsbeamten des Bezirks vom Gouverneur ernannt wird, und an der Spitze einer jeden Gemeinde steht ein Scheich, der von den Einwohnern gewählt und vom Gouverneur bestätigt wird.

In den konfessionsgemischten Gemeinden wird jedes konstituierende Element der Bevölkerung einen gesonderten Scheich haben, dessen Autorität nur über seine Glaubensgenossen ausgeübt wird.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 5 zum Artikel 4 und wurde neu gefaßt; u. a. wurde der Abs. 2 gestrichen und aus dem Abs. 1 wurden in veränderter Fassung zwei Absätze gemacht.

 

Article 6. Egalité de tous devant la loi ; abolition de tous les privilèges féodaux et notamment de ceux qui appartenaient au mukatadji.

 

Artikel 6: Jeder ist vor dem Gesetz gleich; es sind alle feudalen Privilegien abgeschafft, insbesondere diejenigen, die den Mukatadscis gehören.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 6 zum Artikel 5.

 

Article 7. Il y aura dans chaque canton un juge de paix pour chaque rite ; dans chaque arrondissement un medjlis judiciaire de première instance composé de trois à six membres représentant les divers éléments de la population, et au siège du gouvernement un medjlis supérieur, composé de douze membres dont deux appartenant à chacune des communautés désignées en l'article 2, auxquels on adjoindra un représentant des cultes protestant et israélite toutes les fois qu'un membre de ces communautés aura des intérêts engagés dans le procès. La présidence du medjlis sera exercée trimestriellement, et à tour de rôle, par chacun de ses membres.

 

Artikel 7: In jedem Unterbezirk gibt es für jeden Ritus einen Friedensrichter, in jedem Verwaltungsbezirk einen Gerichtsrat erster Instanz, der sich aus drei bis sechs Mitgliedern zusammensetzt, welche die verschiedenen Elemente der Bevölkerung vertreten, und am Regierungssitz einen Obersten Gerichtsrat, der sich aus zwölf Mitgliedern zusammensetzt, von denen je zwei jeder der in Artikel 2 bezeichneten Religionsgemeinschaften angehören, zu denen immer dann ein Vertreter der protestantischen und jüdischen Religion hinzutritt, wenn ein Mitglied dieser Gemeinschaften Interessen hat, die in dem Verfahren involviert sind. Der Vorsitz im Rat wird vierteljährlich und im Wechsel von jedem seiner Mitglieder ausgeübt.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 7 zum Artikel 6 und komplett neu gefaßt.

 

Article 8. Les juges de paix jugeront sans appel jusqu'à concurrence de 500 piastres. Les affaires au-dessus de 500 piastres seront de la compétence des medjlis judiciaires de première instance. Les affaires mixtes, c'est-à-dire entre particuliers n'appartenant pas au même rite, quelle que soit la valeur engagée dans le procès, seront immédiatement portées dans le tribunal de première instance, à moins que les parties ne soient d'accord pour reconnaître la compétence du juge de paix du défendeur. En principe, toute affaire sera jugée par la totalité des membres du medjlis. Néanmoins, quand toutes les parties engagées appartiennent au même rite, elles auront le droit de récuser le juge appartenant à un rite différent. Mais dans ce cas, les juges récusés devront assister au jugement.

 

Artikel 8: Die Friedensrichter urteilen ohne Berufung bis zu einem Streitwert von 500 Piastern. Fälle mit einem Streitwert von mehr als 500 Piastern fallen in die Zuständigkeit der erstinstanzlichen Gerichtsräte. Religionsgemischte Verfahren, das heißt zwischen Personen, die nicht demselben Ritus angehören, werden ungeachtet des Wertes der Verhandlung sofort dem erstinstanzlichen Gerichtsrat vorgelegt, es sei denn, die Parteien vereinbaren, die Zuständigkeit des Friedensrichters des Beklagten anzuerkennen. Im Prinzip wird jeder Fall von der Gesamtheit der Mitglieder des Rates entschieden. Wenn jedoch alle beteiligten Parteien demselben Ritus angehören, haben sie das Recht, den dem anderen Ritus angehörenden Richter anzufechten. In diesem Fall müssen die angefochtenen Richter jedoch bei der Urteilsverkündung anwesend sein.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 8 zum Artikel 7; dieser wurde in 3 Absätze eingeteilt, wobei Satz 1in geänderter Fassung zum Absatz 1 wurde, der Satz 2 unter Austausch der Zahl 500 dann neu 200 als Absatz 2 und die restlichen Bestimmungen zu Absatz 3 wurde.

 

Article 9. En matière criminelle il y aura trois degrés de juridiction. Les contraventions seront jugées par les juges de paix ; les délits par les medjlis de première instance et les crimes par le medjlis judiciaire supérieur, dont les sentences ne pourront être mises à exécution qu'après l'accomplissement des formalités d'usage dans le reste de l'empire.

 

Artikel 9: In Strafsachen wird es drei Instanzen geben. Verstöße werden von Friedensrichtern beurteilt; Vergehen von den erstinstanzlichen Gerichtsräten und Verbrechen von dem Obersten Gerichtsrat, deren Urteile erst vollstreckt werden können, wenn die weiteren, im gesamten [Türkischen] Reich üblichen Verfahrensbestimmungen erfüllt sind.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 9 zum Artikel 8.

 

Article 10. Tout procès en matière commerciale sera porté devant le tribunal de commerce de Beyrouth, et tout procès, même en matière civile, entre un sujet ou un protégé d'une puissance étrangère et un habitant de la Montagne, sera soumis à la juridiction de ce même tribunal.

 

Artikel 10: Jedes Verfahren in Handelssachen wird vor dem Handelsgericht in Beirut entschieden, und jedes Verfahren in Zivilsachen, zwischen einem Untertan oder Bürger einer fremden Macht und einem Bewohner des autonomen Gebiets fällt in die Zuständigkeit des genannten Gerichts.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 10 zum Artikel 9 und durch zwei neue Absätze ergänzt.

 

Article 11. Tous les membres des medjlis judiciaires et administratifs, sans exception, ainsi que les juges de paix, seront choisis et désignés après une entente avec les notables, par les chefs de leurs communautés respectives et institués par le gouverneur.
 

Le personnel des medjlis administratifs sera renouvelé par moitié tous les ans et les membres sortants pourront être réélus.

 

Artikel 11: Ausnahmslos alle Mitglieder der Gerichtsräte wie der Verwaltungsräte sowie die Friedensrichter werden erst nach Beratung mit den Honoratioren und den Oberhäuptern ihrer jeweiligen Religionsgemeinschaften ausgewählt und vom Gouverneur ernannt und eingesetzt.

Die Hälfte der Mitglieder der Verwaltungsräte wird jedes Jahr erneuert, und die ausscheidenden Mitglieder können wieder gewählt werden.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 11 zum Artikel 10 und komplett neu gefaßt; insbesondere wird die Wahlperiode der Verwaltungsräte auf vier Jahre verdoppelt.

 

Article 12. Tous les juges seront rétribués. Si, après enquête, il est prouvé que l'un d'entre eux a prévariqué, ou s'est rendu par un fait quelconque, indigne de ses fonctions, il devra être révoqué et sera en outre passible d'une peine proportionnée à la faute qu'il aura commise.

 

Artikel 12: Alle Richter sind besoldet. Wenn sich in einer Untersuchung herausstellt, dass einer von ihnen sein Amt mißbraucht hat oder sich durch eine andere Handlung seines Amtes unwürdig gemacht hat, wird seines Amtes enthoben und unterliegt der Strafverfolgung, deren Umfang in einem angemessenen Verhältnis zu dem von ihm begangenen Vergehen stehen muss.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 12 zum Artikel 11.

 

Article 13. Les audiences de tous les medjlis seront publiques et il en sera rédigé procès-verbal par un greffier institué ad hoc. Ce greffier sera, en outre, chargé de tenir un registre de tous les contrats portant aliénation de biens immobiliers, lesquels contrats ne seront valables qu'après avoir été soumis à la formalité de l'enregistrement.

 

Artikel 13: Die Beratungen aller Räte sind öffentlich und die Protokolle werden von einem zu diesem Zweck eingesetzten Schriftführer erstellt. Dieser Schriftführer ist auch für die Führung des Registers aller Verträge und Grundstücksverkäufe in dem autonomen Gebiet verantwortlich, wobei diese Verträge erst nach der formellen Registrierung Geltung erlangen.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 13 zum Artikel 12; die Bestimmungen, die bisher auf die Verwaltungs- und Gerichtsräte bezogen waren, wurden nur noch auf die Gerichtsräte bezogen.

 

Article 14. Les habitants du Liban qui auraient commis un crime ou délit dans un autre sandjak seront justiciables des autorités de ce sandjak, de même que les habitants des autres arrondissements qui auraient commis un crime ou délit dans la circonscription du Liban, seront justiciables des tribunaux de la Montagne.

En conséquence, les individus indigènes ou non indigènes qui se seraient rendus coupables d'un crime ou délit dans le Liban, et qui se seraient évadés dans un autre sandjak, seront, sur la demande de l'autorité de la Montagne, arrêtés par celle du sandjak où ils se trouvent et remis à l'administration du Liban. De même les indigènes de la Montagne ou les habitants d'autres départements qui auront commis un crime ou délit dans un sandjak quelconque et autre que le Liban, et qui s'y seront réfugiés, seront, sans retard, arrêtés par l'autorité de la Montagne, sur la demande de celle du sandjak intéressé, et seront remis à cette dernière autorité.
 

Les agents de l'autorité qui auraient apporté une négligence ou des retards non justifiés dans l'exécution des ordres relatifs au renvoi des coupables devant les tribunaux compétents, seront, comme ceux qui chercheraient à dérober ces coupables aux poursuites de la police, punis conformément aux lois.

Enfin, les rapports de l'administration du Liban avec l'administration respective des autres sandjaks, seront exactement les mêmes que les relations qui existent et qui seront entretenues entre tous les autres sandjaks de l'empire.

 

Artikel 14: Die Bewohner des Libanon, die in einem anderen Sandschak ein Verbrechen oder ein Vergehen begangen haben, unterliegen der Gerichtsbarkeit der Behörden dieses Sandschaks, ebenwo wie die Einwohner anderer Verwaltungsbezirke, die im libanesischen Gebiet ein Verbrechen oder Vergehen begangen haben, der Gerichtsbarkeit des autonomen Gebiets unterliegen.

Folglich werden eingeborene und nicht-eingeborene Personen, die sich eines Verbrechens oder Vergehens im Libanon schuldig gemacht haben und die in einen anderen Sandschak entflohen sind, auf Ersuchen der autonomen Behörden von der zuständigen Behörde des Sandschaks, wo sich diese Person aufhält, festgenommen und der libanesischen Verwaltung übergeben. Desgleichen werden die Eingeborenen des autonomen Gebiets oder die Bewohner anderer Bezirke, die in einem anderen Sandschak als dem Libanon en Verbrechen oder Vergehen begangen haben und dort Zuflucht gesucht haben, auf Ersuchen der Behörde des betreffenden Sandschaks unverzüglich von der Autonomen Behörde verhaftet und diesen übergeben werden.

Bei Beamten einer Behörde, bei denen Fahrlässigkeit oder eine ungerechtfertigte Verzögerung bei der Ausführung von Anordnungen zur Überweisung von Entflohenen an die zuständigen Gerichtsbehörden festgestellt wird, werden ebenso wie diejenigen, die versuchen sollten, die Entflohenen vor einer Verfolgung durch die Polizei zu schützen, nach dem Gesetz bestraft.

Endlich wird bestimmt, daß die Beziehungen zwischen der libanesischen Verwaltung und den jeweiligen Verwaltungen der anderen Sandschaks genau die gleichen sein wie die Beziehungen, die  zwischen allen anderen Sandschaks im Reiche bestehen und gepflegt werden.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 14 zum Artikel 13; die Absätze 2 und 3 wurden zu einem Absatz zusammengefaßt.

Als Sandschaks wurden im Türkischen Reich die Unterteilung der Ejalets (Provinzen, Generalgouvernements) bezeichnet. Die Großmächte wollten jedoch den Libanon insoweit abheben und einigten sich mit der Regierung des Türkischen Reiches ("Hohe Pforte") auf die Bezeichnung Mutesarriflik als auf die besondere Stellung des Sandschaks des Libanonberges. Die Ejalets wurden wieder Landschaften zugeordnet, die aber keine Verwaltungsbezirke waren (z. B. Kleinasien, Syrien, Mesopotamien, Hedschas, ...)
 

Article 15. En temps ordinaire, le maintien de l'ordre et l'exécution des lois seront exclusivement assurés par le gouverneur, au moyen d'un corps de police mixte, recruté par la voie des engagements volontaires et composé de sept hommes environ pour mille habitants.
 

L'exécution par garnisaires devant être abolie et remplacée par d'autres modes de contrainte, tels que la saisie ou l'emprisonnement, il sera interdit aux agents de police, sous les peines les plus sévères, d'exiger des habitants aucune rétribution, soit en argent, soit en nature. Ils devront porter un uniforme ou quelque signe extérieur de leurs fonctions et dans l'exécution d'un ordre quelconque de l'autorité, employer, autant que possible, des agents appartenant à la nation ou au rite de l'individu que cette mesure concernera.
 

Jusqu'à ce que le police locale ait été reconnue par le gouverneur en état de faire face à tous les devoirs qui lui seront imposés en temps ordinaire, les routes de Beyrouth à Damas et de Saida à Tripoli, seront occupées par des troupes impériales. Ces troupes seront sous les ordres du gouverneur de la Montagne.

En cas extraordinaire et de nécessité, et après avoir pris l'avis du medjlis administratif central, le gouverneur pourra requérir, auprès des autorités militaires de la Syrie, l'assistance des troupes régulières.

L'officier qui commandera ces troupes devra se concerter, pour les mesures à prendre, avec le gouverneur de la Montagne, et tout en conservant son droit d'initiative et d'appréciation pour toutes les questions de stratégie et de discipline, il sera subordonné au gouverneur de la Montagne durant le temps de son séjour dans le Liban et il agira sous la responsabilité de ce dernier. Ces troupes se retireront de la Montagne aussitôt que le gouverneur aura officiellement déclaré à leur commandant que le but pour lequel elles ont été appelées a été atteint.

 

Artikel 15: In gewöhnlichen Zeiten wird die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und die Durchsetzung der Gesetze ausschließlich vom Gouverneur mit einer religionsgemischten Polizeitruppe durchgeführt, die durch freiwillige Einberufung rekrutiert wird und aus etwa sieben Männern pro Tausend Einwohnern besteht.

Da eine Hinrichtung durch die Garnison abgeschafft und durch anderen Zwangsmittel wie Beschlagnahme oder Inhaftierung ersetzt werden soll, ist es Polizeibeamten unter schwersten Strafen untersagt, von den Bewohnern eine Entschädigung in Geld oder Sachleistungen zu verlangen. Sie tragen eine Uniform oder ein äußeres Zeichnen ihres Amtes und setzen bei der Ausführung eines Befehls der Behörde so weit wie möglich Offiziere ein, die der Nation oder dem Ritus der Person angehören, auf die sich die Maßnahme bezieht.

Solange die örtliche Polizei nicht vom Gouverneur als in der Lage anerkannt worden ist, alle Aufgaben zu erfüllen, die ihr zu normalen Zeiten auferlegt werden, werden die Straßen von Beirut nach Damaskus und von Saida nach Tripolis von kaiserlichen Truppen besetzt sein. Diese Truppen werden dem befehl des Gouverneurs des autonomen Gebiets unterstellt sein.

In außerordentlichen und erforderlichen Fällen kann der Gouverneur nach Beratung durch den Zentralverwaltungsrat die syrischen Militärbehörden um Unterstützung durch reguläre Truppen ersuchen.

Der Offizier, der diese Truppen befehligt, berät sich mit dem Gouverneur des autonomen Gebiets über die zu ergreifenden Maßnahmen, und unter Wahrung seines Initiativ- und Beurteilungsrechts in allen Fragen der Strategie und Disziplin und ist während seines Aufenthaltes im Libanon dem Gouverneur des autonomen Gebietes unterstellt und handelt unter dessen Verantwortung. Diese Truppen ziehen sich aus dem autonomen Gebiet zurück, sobald der Gouverneur gegenüber ihrem Befehlshaber offiziell erklärt hat, daß der Zweck, zu dem sie gerufen wurden, erreicht ist.

Durch das Reglement vom 6. September 1864 wurde der Artikel 15 zum Artikel 14; leicht geänderte Fassung.

 

Article 16. La Sublime Porte ottomane se réservant le droit de lever, par l'intermédiaire du gouverneur du Liban, les trois mille cinq cents bourses qui constituent aujourd'hui l'impôt de la Montagne, impôt qui pourra être augmenté jusqu'à la somme de sept mille bourses, lorsque les circonstances le permettront, il est bien entendu que le produit de ces impôts sera affecté, avant tout, aux frais d'administration de la Montagne et à ses dépenses d'utilité publique ; le surplus seulement, s'il y a lieu, entrera dans les caisses de l'État.
 

Si les frais généraux strictement nécessaires à la marche régulière de l'administration, dépassent le produit des impôts, la Porte aurait à pourvoir à ces excédents de dépenses.

Mais il est entendu que pour les travaux publics ou autres dépenses extraordinaires, la Sublime Porte n'en serait responsable qu'autant qu'elle les aurait préalablement approuvés.

 

Artikel 16: Die Hohe Pforte behält sich das Recht vor, von dem Gouverneur des Libanon dreitausendfünfhundert Pfund, die heute die Steuereinnahme aus dem autonomen Gebiet darstellen, zu erheben, eine Steuer, die bis zur Summe von siebentausend Pfund erhöht werden kann, wenn es die Umstände erlauben. Es wird davon ausgegangen, daß die Einnahmen aus diesen Steuern vor allem für die Verwaltungskosten des Autonomen Gebiets und für die Ausgaben der öffentlichen Verwaltung verwendet werden; nur der Überschuß, wenn überhaupt, fließt in die Staatskasse.

Wenn die allgemeinen Ausgaben, die für die ordnungsgemäße Tätigkeit der Verwaltung unbedingt notwendig sind, die Einnahmen aus den Steuern übersteigen, muß die Hohe Pforte für diese überschüssigen Ausgaben aufkommen.

Es wird jedoch davon ausgegangen, daß die Hohe Pforte für öffentliche Arbeiten oder andere außerordentliche Ausgaben nur so weit verantwortlich sind, wie es diese zuvor genehmigt hat.

Article 17. Il sera procédé, le plus tôt possible, au recensement de la population par commune et par rite, et à la levée du cadastre de toutes les terres cultivées.

 

Artikel 17: Sobald wie möglich soll eine Volkszählung für jede Gemeinde und nach den Religionsgemeinschaften durchgeführt und das Kataster für alle Anbauflächen wird aufgehoben.

 

Arrêté et convenu à Péra, le 9 juin 1861.

Aali, H. Bulwer, Lavalette, Prokesch-Osten, Goltz, Lobanow.

 

Verordnet und vereinbart in Pera, am 9. Juni 1861

Aali, H. Bulver, Lavalette, Prokesch-Osten, Goltz, Lobanow.

 

  Es wurde vereinbart, dass das vorstehende Reglement nach 3 Jahren Gültigkeit durch die Vertragsparteien nochmals durchgesehen wird.
 

Quellen:
Universität Perpignan

Das Staatsarchiv, Sammlungen der offiziellen Aktenstücke zur Geschichte der Gegenwart, Erster Band 1861 (Juli bis December), Hamburg Otto Meissner
 

Quellen:
eigene Übersetzung (ohne Gewähr)
 


 


© webmaster@verfassungen.ch
14. August 2020 - 15. August 2020

Home           Zurück             Top